In den Ring geschaut: V. Klitschko vs. K. Johnson
In Bern fand heute Abend das Duell um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version der WBC zwischen dem amtierenden Weltmeister Vitali Klitschko und seinem Herausforderer, dem US-Amerikaner Kevin Johnson statt.
Johnson ist die Nummer 5 in der Rangliste der WBC, in der Boxrec wird er allerdings nur auf Rang 26 geführt. Von 23 Kämpfen konnte er 22 gewinnen bei einem Unentschieden. Allerdings liest sich die Liste seiner Gegner nicht gerade als das “Who is Who des Schwergewichts”.
Für den älteren der beiden Klitschko-Brüder ist es die dritte Verteidigung seines WBC-Titels gewesen.
Bevor es um den Kampf geht mal kurz zur Musik: Erst trat im Ring Jan Delay auf und es war wirklich faszinierend, obwohl er vermutlich auf Deutsch gesungen hat habe ich kein Wort verstanden. Dann marschierte der Herausforderer unter der Musik von Michael Jackson in den Ring, allerdings nicht zu einem der 2-3 noch evtl. passenden Einmarschliedern (wie z.B. Beat it), nein zu entweder Heal the World oder einem ähnlich klingenden Song (sorry, bin kein Jacko Fan und kann nur ein paar von seinen Liedern auseinanderhalten). Klitschko hatte sich mit Hells Bells von AC/DC wenigstens was vernünftiges zum Einmarsch ausgesucht.
Vor dem Einzug von Vitali gab es noch ein paar Einspieler von ehemaligen Weltmeistern wie George Foreman, Lennox Lewis und Evander Holyfield zu sehen die ein paar lobende Worte zu Klitschko abgaben. Sehr lustig war eine ca. 2 Sekunden Szene von Mike Tyson als dieser wohl ansetzen wollte um etwas zu sagen dann aber lachend abdrehte. Das fand ich fast so gut wie diese Szene.
Nun aber zum Kampf, beziehungsweise dem was da im Ring zu sehen war. Ein Genuss zum zuschauen war es auf jeden Fall nicht. Wenn man den Kampf kurz zusammenfassen wollte könnte man sagen: Der eine konnte nicht und der andere wollte nicht.
Ich glaube ich habe bis jetzt noch keinen Kampf gesehen wo ein Boxer so offensichtlich nur darauf aus war nicht KO zu gehen. Johnson war so mit auspendeln, abducken, provozieren und ausweichen beschäftigt, dass er keine Zeit mehr hatte um eigene Treffer zu setzen. Tja und Klitschko schaffte es erst am Schluss, als er sichtlich in Rage war, eine einigermassen passende Strategie zu entwickeln. Da war es allerdings schon zu spät um Johnson deutlich zu beeindrucken. Dessen einziges Ziel war es über die Runden zu kommen und nicht KO zu gehen. Gegen so einen Mann, der nicht gewinnen will, kann man einfach nicht gut aussehen. Es wurde auch sehr deutlich, dass dieser Defensivstil Klitschko nicht entgegenkam.
Von den 12 Runden habe ich mit viel Wohlwollen maximal zwei beim Amerikaner gesehen, ein Ringrichter hatte sogar nur eine und die anderen beiden KEINE Runde für Johnson.
Johnson ist jetzt immerhin der zweite Boxer der es geschafft hat gegen Vitali Klitschko über die Zeit zu gehen. Der erste und bisher einzige war “die Deutsche Eiche” Timo Hoffmann im November 2000. Die Punktzettel sahen damals im Übrigen genauso aus wie heute: 120:108, 120:108 und 119:109.
Wie es leider zu befürchten war, war Johnson keine wirkliche Herausforderung für den Weltmeister der den Kampf durchgängig dominiert hatte und nie großartig in Bedrängnis gekommen wäre. Bleibt einfach zu hoffen, dass einer der beiden Brüder demnächst gegen David Haye kämpfen wird. Ich gehe aber eher davon aus, dass der Brite seinen gewonnen Titel nicht direkt gegen die Klitschkos aufs Spiel setzen will.
Am 20.03.2010 wird Wladimir auf jeden Fall gegen Eddie Chambers kämpfen.
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