In den Ring geschaut: Valuev vs. Haye
Heute ging es um den Schwergewichtsgürtel der WBA, der durch das ganze Valuev – Chagayev Theater und sonstiger Geschichten etwas an Glanz verloren hat in letzter Zeit.
Nun standen sich also der “Hayemaker” David Haye aus England und “The Russian Giant” Nikolai Valuev gegenüber.
Haye kommt aus dem Cruisergewicht und war dort Weltmeister der WBA, WBC und WBO bevor er dort mit einem Sieg am 8.3.2008 seine Titel niederlegte um ins Schwergewicht zu wechseln. Sein dritter Kampf in der neuen Gewichtsklasse wollte er gleich gegen Weltmeister Wladimir Klitschko bestreiten und er riskierte im Vorfeld eine ziemlich dicke Lippe gegenüber den beiden Brüdern aus der Ukraine. Kurz vor dem Kampf in der Arena auf Schalke sagte er den Kampf jedoch wegen Rückenbeschwerden ab und trat auch von seinem Kampfvertrag zurück. Für Haye eingesprungen ist dann Ruslan Chagayev dessen Kampf gegen Valuev kurz vorher abgesagt wurde. Valuev hielt sich vornehm zurück als Klitschko einen Ersatzgegner suchte.
Nun standen sich also Haye und Valuev im Ring gegenüber und wie immer bei einem Kampf mit Valuev sind die körperlichen Voraussetzungen natürlich unterschiedlich. Da Haye eigentlich ein Cruisergewichtler war ist der Unterschied vielleicht noch etwas größer. Kurz zusammengefasst: Valuev geboren 1973, David Haye ist gut 7 Jahre jünger, 2 Meter 13 misst der Russe bei einem Gewicht von ca. 140 kg und einer Reichweite von 2,16 m. Sein Herausforderer ist 1,91 groß, ca. 100 kg schwer und hat eine Reichweite von 1,98 m.
Ein K.o. Schläger wird Valuev mit einer Quote von 65% mit Sicherheit nicht mehr, bei Haye lag die Quote vor dem Kampf bei 95 %. Die Vorbereitungen sind für einen Gegner Valuevs natürlich sehr schwer denn es gibt nicht gerade an jeder Ecke Sparringspartner die die Größe des Russen aufweisen. So behalf sich Haye mit ehemaligen Basketballspielern um zumindest die Schlaghöhe zu trainieren.
Die Provokationen von Haye, der von ca. 2000 mitgereisten Briten in Nürnberg unterstützt wurde, dauerten sogar bis kurz vor Kampfbeginn an, denn er wollte anfangs nicht die Kabine verlassen.
Als der Kampf dann begann war die Taktik die sich Haye zurechtgelegt hatte, dann ziemlich schnell klar: Wie damals Chagayev bei seinem sieg wollte er möglichst beweglich durch den Ring tanzen und ab und zu mit gezielten Aktionen angreifen. Valuev seinerseits versuchte Haye irgendwie zu stellen. Spektakulär war das ganze nicht. Pro Runde gab es vielleicht 3-4 Kampfszenen in denen Haye aufgrund seiner Geschwindigkeit meistens besser aussah.
In der vierten Runde schaffte es Valuev dann auch mal kurz seinen Gegner in der Ecke zu stellen aber wenn seine Faust einschlug, war sein Gegner schon wieder fast weg. Auf eine Deckung verzichtete der Brite auch zum Großteil, verständlicherweise, denn vor Blitzangriffen Valuevs musste er keine Angst haben.
Valuev legte zwar eine höhere Workrate an den Tag aber die bessere Trefferquote hatte der Herausforderer, der wenn er mal zuschlug auch meistens seinen Gegner traf.
Eine Runde bei diesem Kampf lief ungefähr so ab: Valuev verfolgt Haye und versucht ihn mit Körpertreffern zu stellen was meistens misslingt. Irgendwann bekommt er ihn kurz in einer Ecke gestellt, trifft 1-2 Schläge bevor sich Haye wieder entzieht. Kurze Verfolgungsjagd und dann landet Haye seinerseits 1-2 schöne Kombinationen am Kopf von Valuev. Bis zum Gong wird dann wieder im Kreis gerannt. So ungefähr liefen eigentlich 11 der 12 Runden ab.
In den letzten Runden wurde Valuev noch aktiver um irgendwie den Kampf noch zu retten was Haye natürlich noch mehr Möglichkeiten für Konter ließ die er auch nutzte.
In Runde 12 schaffte es Haye dann immerhin mit einer Linken den Russischen Riesen ins Wanken zu bringen, gestürzt ist er allerdings nicht.
Meinen Punktzettel veröffentliche ich heute mal nicht, es ist mir nämlich unheimlich schwer gefallen. Wenn man nach den besseren Treffern geht dann war Haye meiner Meinung nach deutlich vorne. Valuev hätte höchstens 2-3 Runden für die höhere Aktivität bekommen können.
Die drei Ringrichter sahen es wie folgt: 114 zu 114, 116 zu 112 und 116 zu 112. Damit haben die Briten nach Lennox Lewis wieder einen Weltmeister im Schwergewicht.
Warten wir jetzt mal ab ob es unter diesen neuen Voraussetzungen demnächst zu einem Duell von Haye gegen einen der Klitschkos kommt.
Vitali Klitschko wird auf jeden Fall vorher am 12.12. gegen Kevin Johnson in Bern boxen.
Im Rahmenprogramm gewann im Übrigen Alexander Frenkel im Cruisergewicht bereits nach rund 2 Minuten durch TKO gegen Kelvin Davis.
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vor 3 Monaten
mir kommt Valuev immer recht träge vor. Er kann nur durch seine Größe punkten. Aber interessant ist es immer anzuschauen
vor 3 Monaten
das stimmt, ein Hochgeschwindigkeitsboxer wird er mit Sicherheit nicht. Das spannende bei Kämpfen mit ihm war halt immer zu sehen ob es jemand schafft ihn zu Boden zu schicken. Haye hat ihn zwar angeknockt aber zu spät, da hätte er etwas früher so mutig sein sollen.
Hätte gerne einen Kampf der Klitschkos gegen Valuev gesehen aber dazu wird es dann wohl die nächste Zeit nicht kommen nachdem er seinen Gürtel los ist.